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Rückführungstherapie & Mißbrauch

Es ist ein Skandal

Die Schlagzeilen von sexuellen Übergriffen werden immer mehr. Gibt es denn immer mehr sexuelle Übergriffe? Aus meiner Erfahrung als Rückführungstherapeut liegt die Wahrheit auf der Hand: Es gibt und gab immer sehr viele Übergriffe. Sieben von zehn Gesprächen in meiner Praxis behandeln die Themen Missbrauch, Vergewaltigung und Gewalt, um die Tat beim Namen zu nennen. Der Begriff «Übergriff» beschönigt mir zu sehr die Tatsachen. So wie auch im Allgemeinen von zehn Klienten neun Frauen sind und ein Mann. Nüchterne Zahlen, die jedoch für mich sehr aussagekräftig ein Grundproblem aufzeigen.
Wo fängt man bei einem derart komplexen Thema an? Möglicherweise bei den Schlagzeilen selbst, die für mich ja nur die berüchtigte Spitze des Eisbergs darstellen. Denn alle die Frauen, die ihren Vorgesetzten in viel zu vielen Büros dieser Welt ausgeliefert sind, die Ehefrauen, die mit gewalttätigen Männern verheiratet sind, die Kinder und Mädchen, die dem übergriffigen Lehrer oder Trainer machtlos, unwissend Folge leisten, all diese Menschen, die durch die gelebte Sexualität ihrer «Machthaber» zur Sache gemacht werden. Sie alle leiden meist ganz im Verborgenen. Eine nur allzu verständliche und typische Möglichkeit, mit so einem Schicksal umzugehen. Die Schlagzeilen, so schrecklich sie auch sein mögen, bringen da wenigstens etwas Licht in ein sehr düsteres Kapitel. Was mich allerdings an den Schlagzeilen stört sind zwei Dinge: Es geht meist in verzerrter Art und Weise vor allem um den Täter. Oder sie haben voyeuristische Züge, sind zu sehr damit beschäftigt was mit den Opfern denn eigentlich gemacht wurde. Letzteres hat die Öffentlichkeit, nach meinem Verständnis, nicht zu interessieren. Ein jeder kann sich in etwa vorstellen um was es sich in solchen Situationen handelt. Manchmal kommen die Äusserungen einem erneuten Missbrauch des Opfers sehr nahe. Wer solch düstere Situationen in seinem Leben zu bewältigen hat, möchte dies nicht auch noch in aller Öffentlichkeit breitgeschlagen haben.
Was den Täter betrifft habe ich folgende Position; um ihn sollen sich die Strafverfolgungsbehörden kümmern. Wir haben Gesetze, die solche Vorfälle mit dem richtigen Mass und der nötigen Härte regeln. Um die ungezügelte Triebhaftigkeit des Täters sollen sich Psychiater bemühen. Mehr Beachtung möchte ich dem Täter gar nicht schenken. Dies mag hart und kalt wirken, doch wenn sie so viele Gespräche mit Opfern solcher Männer geführt haben, hält sich das Mitleid und Verständnis mit den Tätern in engen Grenzen. Etwas anders verhält es sich, wenn in der Biographie des Täters ähnlich schreckliche Erfahrungen auftauchen. Da ist ebenfalls eine ärztliche Behandlung zwingend angezeigt. Das Problem ist, dass in diesen Fällen meistens ein endloser Teufelskreis besteht. Das Opfer war auch schon Opfer eines anderen Opfers das aus den Auswirkungen des Missbrauchs zum Täter wurde. Dies darf höchstens erklärend und nicht entschuldigend verstanden werden. Dennoch stellt es eine Kette von Leidensgeschichten vieler Menschen dar. In solchen Fällen hilft nur, wenn das Schweigen endlich durchbrochen wird. Nur das Offenlegen solcher Zustände hilft dem Opfer und in anderer Form auch dem Täter selbst, zumindest was das Ende des Missbrauchs bedeutet.
Was mir viel wichtiger erscheint als der Täter selbst und die Art seiner Tat, ist das Opfer. Im Vordergrund steht für mich immer der Mensch, um das schreckliche Wort Opfer mal zu vermeiden, der diese Geschehnisse erdulden musste. Vor geraumer Zeit sass ich bei einer Einladung beim Abendessen. Sehr schnell war das Tischgespräch bei den aktuellen Geschehnissen. Einer der Anwesenden machte eine möglicherweise unbedachte Äusserung: «Manche übertreiben es aber auch und gehen in ihrer Opferrolle voll auf.» Was in meinen Augen sehr deutlich die Position zum Thema mancher unbeteiligter Männer aufzeigt. Es wird verniedlicht, verharmlost und schliesslich wird aus einer Tat ein Kavaliersdelikt, das vermutlich noch die Frau mit ihrem Äusseren selbst provoziert hat. Meine Antwort darauf kam sehr rasch: «Jedes Opfer dieser Welt hat das Recht, sich auch als solches zu fühlen.» Der Abend war gelaufen.
Dies ist ein klares Beispiel wie die Gesellschaft mit dem Thema umgeht. Es ist vielmehr kein Thema, sondern ein veritables Problem. Dem Opfer wird man selten gerecht. Die Gesellschaft hat meist keine Ahnung was solch ein massiver Übergriff oder Missbrauch für eine Frau oder ein Mädchen bedeutet. Was solch ein Ereignis mit einem Menschen macht, was es für das Opfer für Auswirkungen auf seine Persönlichkeit, seine künftigen oder bestehende Partnerschaft bedeutet. Was es auf den Verlauf und die Verhaltensweise des Menschen und seines restlichen Lebens bedeutet. Ich nenne solch ein Ereignis einen Seelen-Tsunami. Die Auswirkungen hinterlassen ganz unterschiedliche Reaktionen und Spuren. Wenn das Opfer irgendwann nicht bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen, wird es das Opfer bis ins hohe Alter begleiten und dessen Leben beeinflussen. Und ich spreche hier nicht ausschliesslich nur vom Sexualverhalten. Was die meisten nicht wahrnehmen oder nicht bewusst wahrhaben wollen, betrifft es den gesamten Alltag, den ganzen Menschen, sein ganzes Leben lang.
Eine Möglichkeit, sich damit auseinanderzusetzen, ist eine Rückführungstherapie oder Regression. Es ist immer schwer, sich mit solchen schwerwiegenden Erlebnissen zu beschäftigen. Für mich als Therapeuten, den Weg des Opfers zu begleiten, auf dem das Erlebte Stück für Stück losgelassen und im besten Fall endlich abgelegt werden kann, ist eine der dankbarsten und erfüllendsten meiner Therapiemöglichkeiten. Die Metamorphose der Klientin hinterher ist meist unbeschreiblich. Es eröffnet den Klientinnen ganz neue Möglichkeiten, in der Partnerschaft, in ihrem Leben und Zusammenleben und nicht zuletzt im Ausleben einer veränderten sensitiven, vom Dreck befreiten glücklich gelebten und unbekümmerten Sexualität.
Lassen Sie also unseren Fokus nicht immer nur auf die Täterschaft und ihre Taten richten. Beschäftigen wir uns doch lieber mit dem Menschen der unter dem Täter, der Tat und der Öffentlichkeit und wie sie damit umgeht, leidet. Begreifen wir die Gesellschaft, dass dies keine Einzelfälle sind, weit weg von unseren Leben. Hören und sehen wir lieber gut hin, wenn Freundinnen, Kolleginnen, Kinder, Verwandte wort- und hilflos um Hilfe ringen. Und ich fordere jede Ehefrau und Mutter, die von solchen Vorgängen weiss oder sie mitbekommt, auf, nicht länger vor Scham oder aus Verlustangst um ihren Partner, zu schweigen. Denken sie an ihre Kinder und deren Zukunft und nicht zuletzt an sich. Ich stelle Ihnen eine einfache Frage: «Wollen sie ihr Leben wirklich mit einem Partner verbringen, der ihre eigenen Kinder missbraucht, ist dies der liebevolle Mensch den sie einmal gesucht und gefunden haben?» Ich weiss, das ist möglicherweise viel einfacher hier darüber zu schreiben, als einen ersten Schritt in Richtung Wahrheit zu gehen. Aber es wird sie möglicherweise von etwas befreien, was auch Ihren Alltag mehr tangiert als sie es wahrhaben wollen.
Die letzten Zeilen möchte ich besonders an all jene Menschen richten, die in irgendeiner Form Opfer wurden. Ich möchte sie dazu ermuntern, sein sie mutig, mutig für sich selbst und machen sie ihrem Leiden mit Entschlossenheit und der nötigen Hilfe endlich ein Ende. Es braucht wirklich Courage, sich gegenüber einem Arzt, Psychotherapeuten, einer Freundin oder einem Therapeuten wie mir, zu öffnen. Ja es ist schwer, sich mit all dem Ballast und den damit zusammenhängenden Gefühlen zu beschäftigen, doch ich kann ihnen versichern, es ist leichter, damit endlich aufzuräumen als mit diesem „Rucksack" auf der Seele ein Leben lang herumzulaufen. Dies gilt im Übrigen für beinahe jedes grössere problematische oder traumatische Erlebnis.

Franco Hueber am
22.Oktober 2017
Franco Hueber ist RiV-Mitglied, die Kontaktdaten erhalten Sie unter Therapeuten-Schweiz

Stellungnahme zum Artikel durch den Vorstand des RiV-Reinkarnations-Verband Karin Langer:

Hallo Herr Hueber,
ich möchte Ihnen nochmals meinen Dank aussprechen für den großartigen, ehrlichen und
authentischen Artikel. Der einfach nur das wiedergibt was es wirklich ist. Eine Denunzierung
der Opfer in unserer Gesellschaft als ein normales Vorgehen zu betrachten scheint eine echte
Erkrankung wiederzuspiegeln. Die Masse der eingehenden brutalen Übergriffe bis hin zu veröffentlichten
You-Tube-Videos, in denen Live eine Vergewaltigung einer jungen Tunesierin im öffentlichen Bus akzeptiert
wird,. Es ist eine Schande, die Gesellschaft mit solchen Bildern zu überladen. Um scheinbar ein Negatives
Bild als gegegeben hinzunehmen.

Aus diesem Grunde finde ich Ihren Artikel mehr als treffend, um der Gesellschaft wiederzuspiegeln,
was sie sehen sollen und was auf keinen Fall weiter geschehen darf.
Gleichzeitig arbeiten Sie mit Lösungsansätzen wie der Regression, so bieten Sie den Ursprung des
Übels anzuschauen und bieten gleichzeitig Hilfe an. Großartig.

Liebe Grüsse

Karin Langer
RiV-Vorstand



Seit vielen Jahren arbeite ich Medial
...

ermutige Menschen dazu ihre Partnerschaft mit frischem Leben, Freude und neuer Liebe zu bereichern und neue Wege zuzulassen. Ich mache aufmerksam auf schlummernde Talente und weise auf neue berufliche Perspektiven hin oder versuche Lösungsmöglichkeiten zu channeln für zwischenmenschliche Angelegenheiten in Familien.
Auch mir waren die vielen Klischees die Rückführungen umranken bekannt. Es geht um historisch ominöse Gestalten, düstere Klostergänge, etliche Todeserlebnisse usw. Selbstverständlich begegnen uns in Rückführungen einige dieser Versionen und viele andere. Es fällt mir jedoch auf, dass gerade die spektakulären Schemas selten bis gar nie vorkommen. Es ist eher das unaufgeregte Erlebnis das erschüttert und der Umstand in welcher Tiefe es durchlebt werden kann. Es sind einfache Menschen die ihr bescheidenes Dasein leben und zudem meist auf tragische Weise ihr Leben verlieren.
Trotzdem hat mich all dies nicht dazu bewogen Rückführungstherapeut zu werden. Es gibt einen gravierenderen Grund. Es ist der Umstand des sexuellen Missbrauchs der mir immer wieder und leider allzu oft in meinen Gesprächen begegnet. Es ist sexuelle Gewalt oder gar rohe Gewalt. Von zehn Gesprächen mit Klienten oder ich sage es treffender Klientinnen, sind sieben in irgendeiner Form davon betroffen. Es sind nicht die Medien die das Thema so omnipräsent machen. Es sind die Umstände, es ist leider Realität. Wie mir die Gespräche mit meinen Klientinnen bestätigen, ist der Täter höchst selten der geheimnisvoll lauernde Pädophile. Es sind der „liebevolle" Vater, Onkel, Bruder, Lehrer, Trainer, Mitschüler, alles Menschen die ihren ganz normalen Platz in unseren Leben einnehmen und das Vertrauen eines jeden einzelnen Opfers schändlich missbrauchen. Dies alles führte schliesslich dazu, mich zum Rückführungstherapeuten auszubilden?
Als Medium bin ich immer wieder mit dieser Problematik an meine Grenzen gestossen, es blieb mir nur, auf die Hilfe von Psychologinnen und Psychotherapeuten zu verweisen, was ich nach wie vor in einzelnen Fällen auch tue. Nur tut sich mir mit der Rückführungstechnik eine Alternative auf und nicht nur dies. Die Rückführungstherapie erweist sich gerade in solchen Erlebnissen als äusserst schonende und behutsame Methode, erlebtes Leid so sorgfältig wie möglich und so schonend wie nötig aufzuarbeiten. Dennoch lässt sich aus meiner Erfahrung der grösste Schmerz des Erlebten fast immer lösen und größtenteils dauerhaft auflösen. Das Ziel ist schlicht, diese Gefühle nur noch zu einer entfernten Erinnerung zu degradieren. Vergessen lassen sich solche Erlebnisse ohnehin nicht. Doch es wäre für jedes Opfer wichtig und schön zu erleben wenn sie so losgelassen werden können, dass es ihre Lebensqualität nicht mehr beeinträchtigt. Beispielsweise es in einer Partnerschaft wieder eine unbekümmerte Sexualität ermöglicht. Das Verhältnis in Familien oder die Beziehung zu Eltern erleichtert und ein gesundes nebeneinander wieder ermöglicht.
Unerträgliche Gefühle und Erlebtes behindern Opfer solcher Taten in ihrem täglichen Leben, es macht sie unfrei, um ein unbeschwertes Leben wie andere führen zu können. Manche Klienten staunen an welch neuralgischen Punkten, ihre Erlebnisse sie einholen. Hier und da findet gar das Unmögliche statt und es gedeiht ein Verzeihen. Das Verzeihen ist gewiss die schwierigste, dennoch die effektivste Form um Schuldgefühle aufzulösen, von Schmerz zu befreien und von so vielen anderen Begleitumständen die Missbrauchsopfer erfahrungsgemäß das ganze Leben mit sich herum tragen.
Vielen Klienten ist es erst gar nicht bewusst und es ist allgemein wenig bekannt, dass Rückführungstherapie solch wertvolle Hilfe leisten kann, dass sie eine entscheidende Hilfe ist beim loslassen von negativen Gefühlen.
Ich erlebe eine Regression in meiner alltäglichen Praxis als etwas sehr ergreifendes, berührendes und bis in unser tiefstes Unterbewusstsein bewegendes Erlebnis für den Klienten und für mich. Es macht mich unendlich glücklich und zufrieden, einer missbrauchten Klientin nach einer gelungenen Behandlung in ihren Augen und später dann auch am Lächeln und im Gespräch, die befreiende Erfahrung zu sehen und zu spüren. Dies zumeist in ein bis drei Sitzungen, relativ schmerzlos ohne stundenlange Gespräche über Monate. Sicher ist eine richtige und wichtige Möglichkeit eine Psychotherapie, aber nicht für jeden Klienten ist es die stimmige Lösung, es sollte wirklich jede Chance genutzt werden die von Nutzen sein kann und da ist eine Rückführungstherapie eine hilfreiche Möglichkeit. Selbstverständlich wird auch immer wieder Zweifel und Kritik laut, was die Rückführungstherapie betrifft. Einer meiner Lehrer, Dr. Jan Erik Sigdell, ein weltweit führender Rückführungstherapeut, der einige Bücher zum Thema geschrieben hat und noch heute lehrt, schreibt dazu:
„Niemand wird krank, weil er die Wahrheit erfährt, für die er reif ist. Viele sind aber deshalb krank, weil sie die eigene Wahrheit nicht kennen - erst recht dann, wenn sie diese nicht wissen wollen."
In einer Welt wie sie sich heute darstellt und die Sprechzimmer der Ärzte voll sind von Patienten die Burnouts, Verlust von Arbeitsplatz, Missbrauch, Lebenskrisen erleben, können wir Rückführungstherapeuten unseren wertvollen Anteil leisten. All dies ist es was mich umtreibt bei meinem täglichen Weg zur Praxis und zu meinen Klienten.

Januar 2017

von Franco Hueber


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